Die Phileasson-Saga

Weihnachtstreffen

Begegnung mit einem lustigen dicken Mann

Aus den Aufzeichnungen von Brodosch, Sohn des Jorrosch – kampferprobter Veteran, Bezwinger des Mannfällers, Himmelsreiter, Meisterschmied und Täuscher der Goblins.

Wir befinden uns in Ysilia, einer Stadt voller Ruinen. Wir sind hier, um nach dem alten Schwert des Fechtmeisters Erm Sen zu suchen. Bald werden wir aufbrechen, um in den Trümmern der alten Fechtschule danach zu suchen. Mir ist überhaupt nicht danach, hier stundenlang Steine zu schleppen, das wird eine elende Plackerei. Außerdem habe ich meinen Vorrat an Pfeifenkraut vor einigen Tagen aufgebraucht. Ich kann mir also nicht mal eine wohltuende Pfeife anzünden. Aber ich greife vor. 


 

Abreise aus Vallusa
Meine letzten Aufzeichnungen endeten in einer Taverne in Vallusa. Nachdem ich meinen Eintrag für die Familienchroniken niedergeschrieben hatte, rauchte ich meinen letzten Rest Pfeifenkraut und legte ich mich schlafen. Mitten in der Nacht wurde ich durch ein deutlich vernehmbares Rascheln geweckt. Ich öffnete meine Augen und sah im spärlichen Licht Ragnar zur Tür des Schlafsaals schleichen. Erst dachte ich mir nichts dabei, schließlich muss ich auch hin und wieder des Nachts eine Stange Wasser in die Ecke stellen. Doch der Magier hatte soweit ich es erkennen konnte seinen Stab und weitere Ausrüstung dabei. Auch Valen wurde von den Geräuschen des Thorvalers geweckt und bedeutete mir, mich ruhig zu verhalten. Fürs Erste tat ich ihm den Gefallen. Nachdem Ragnar den Raum verlassen hatte, standen wir auf und berieten uns. Schnell waren wir uns einig, dass wir unserem Gefährten folgen sollten. Valen schlich ihm sofort hinterher, während ich zu Leias Zimmer eilte (die feine Dame hat sich doch tatsächlich ein eigenes Zimmer angemietet) und versuchte sie zu wecken. Ich musste einige Augenblicke darauf warten, zunächst wollte sie gar nicht mitkommen.
Sobald sie aufgestanden war, folgten wir Valen und Ragnar in sicherem Abstand. Der Magier ging auf direktem Weg zum Zwergenplatz. Dort angelangt, versteckten wir uns und beobachteten ein geisterhaftes Schauspiel. Der Magier stand mitten auf dem Platz, als plötzlich eine große, leicht durchscheinende Gestalt aus den Schatten trat. Valen und ich rannten nun schnell zu Ragnar, um ihn bei Bedarf zu unterstützen. Leia blieb lieber in ihrem Versteck.
Bei unserem Gefährten angekommen, bemerkte ich, dass die geisterhafte Erscheinung etwas flüsterte:


,„Sel-fla-na-til…Selfla- na-til… Einst war es das Schwert des Bewahrers, aber dann
ging es im Kampf verloren. Seither versuchen die unseren, das Schwert wiederzugewinnen. Doch alle sind sie gescheitert. Alle sind sie gefallen. Und alle sind sie dazu verdammt, rastlos umherzuirren, bis die Waffe wieder an ihren angestammten Ort zurückgekehrt ist. Doch findest du das Schwert nicht in dieser
Stadt. Nachdem ich durch die Klinge den Tod fand, hat sie die Stadt mit ihrem Träger verlassen. Geh, und finde Selflanatil! Bringe das Schwert des Bewahrers an seinen angestammten Ort zurück und erlöse die Beni Geraut Schie! Unermessliche
Reichtümer erwarten denjenigen, der es vermag, die Klinge zurückzubringen.” 


Dann verschwand sie wieder in den Schatten. Uns war nun klar, dass wir das Schwert so schnell wie möglich finden mussten. Deshalb kehrten wir zur Taverne zurück, um am nächsten Morgen in aller Frühe aufzubrechen. Eigentlich wollten wir ein paar Pferde kaufen, doch Beorn schien alle aufgekauft zu haben. Um meinen Zorn über diese Unverfrorenheit zu besänftigen, hätte ich gern etwas geraucht. In der Eile vergaß ich jedoch, bei einem Händler halt zu machen, bevor wir die Stadt Richtung Westen gen Ysilia verließen.

 

Reise nach Ysilia
Ohne eine entspannende Pfeife im Mund, hatte ich nur wenig für unsere Umgebung übrig. Es wird wohl Frühling. Überall grünte es. Aber wir kamen auch an vielen Ruinen aus der Zweit des Ogersturms vorbei.
Unterwegs wollten wir in Wolfenstein Halt machen, doch die verbohrten Wachen wollten uns nicht einlassen. Möge Angrosch ihnen einen feurigen Tod schenken. 
Am Abend des ersten Reisetages begegneten wir einem einsamen Reisenden, der ein eigenes Lager aufgeschlagen hatte. Wir unterhielten uns mit dem Mann, der sich als Avesgeweihter herausstellte. Er erzählte uns, dass er Geschichten sammelte und gern unsere erfahren würde. An einem schöneren Tag hätte ich ihm wohl einiges erzählen können. So verwiesen meine Kameraden ihn einfach an Phileasson. 
Für eine erholsame Nachtruhe sorgte der Avesgeweihte mit einem Segen (Schlaf der Gesegneten). Als ich am nächsten Morgen erwachte, fühlte ich mich trotz leerem Tabakbeutel ein wenig besser.
Wir reisten weiter. Die Stunden vergingen ereignislos, bis wir am Wegesrand ein reiterloses Pferd entdeckten. Die tierliebe Leia schaffte es, das unruhige und misstrauische Tier mit ihrer einfühlsamen Art zu zähmen. Nachdem sie seine Zügel hatte, ergab hatte das Pferd auch keine andere Wahl, als sich irgendwann seinem Schicksal zu ergeben und unserer Gefährtin hinterherzutrotten. In der Zwischenzeit suchten wir die Gegend vergeblich nach dem fehlenden Reiter ab. Da wir dringend weiter mussten, brachen wir die Suche bald ab und setzten unseren Weg fort. 
Nach einiger Zeit wurde es schlagartig kälter. Kurz darauf begann es zu schneien. Der Schnee viel immer dichter und bald konnten wir kaum noch etwas sehen. Leider war nirgendwo ein Unterstand oder ein schützender Wald in Sicht. Dem stärker werdenden Schneesturm trotzend gingen wir weiter, bis Valen stehen blieb und lauschte. Er meinte, Glöckchen im Wind zu hören. Dann hörten wir das Geräusch ebenfalls.
Wir gingen auf das ferne Klingen zu und erreichten einen Waldrand. Hier standen zahlreiche Karene um eine kleine Blockhütte herum. An ihrem Geschirr waren kleine Glöckchen befestigt, die bei jeder Bewegung ein hohes Läuten von sich gaben.
Da standen wir nun vor einer behaglich aussehenden Hütte, aus deren Fenstern ein warmes Licht drang. Wir entschieden, dass Leia ihren Charme spielen lassen sollte, um uns eine Übernachtung am Kaminfeuer zu sichern. Natürlich stellte das für sie kein großes Problem dar und so wurden wir bald von ihr hereingewunken. Drinnen wurden wir von einem sehr freundlichen Mann begrüßt, dessen gepflegter langer Bart mir besonders ins Auge fiel. Die Hütte war zwar recht eng für unsere Gemeinschaft, doch sehr behaglich. Von dem, was die anderen beredeten bekam ich kaum noch etwas mit, denn nachdem ich mir einen geeigneten Platz gesucht hatte, schlief ich nach den Strapazen des Tages sehr schnell ein.
Am nächsten Morgen wachten wir in unserem Karren auf. Von der Blockhütte unseres Gastgebers und seinen Karenen war nichts mehr zu sehen. Obwohl wir im Freien lagen, froren wir nicht, denn es war zwar noch etwas kühl, aber der Schnee war bereits geschmolzen.
Außerdem fand jeder in seinem Gepäck eine kleine Trinkflasche. Während ich noch misstrauisch daran schnupperte, tranken Valen und Leia bereits daraus. Es schien ein starker Kräutersud zu sein, der den Magen wärmte und erfrischend wirkte. Ich sparte mir die Flasche vorerst für schlechtere Zeiten. Auch wenn ich in diesem Moment gern ein Pfeifchen geraucht hätte…
Nach einem kurzen Frühstück brachen wir wieder auf. Nach einigen Stunden Marsch kamen wir nach Arnlan, gingen jedoch weiter, um noch an diesem Tag Ysilia zu erreichen. 
Abends hörten wir schon von weitem lautes Hämmern und Sägen, denn Ysilia – die ehemalige Hauptstadt Tobriens – besteht größtenteils aus Ruinen, aus denen offenbar wieder eine neue Stadt erbaut werden soll.


 

In Ysilia
Wie immer versuchten wir zunächst unser Glück in der örtlichen Taverne. Der Gastraum war vollgestopft mit den unterschiedlichsten Gestalten und der unfreundliche Wirt – ein wirklich unverschämt mies gelaunter Zwerg – scheuchte uns bald wieder heraus. Vorher erfuhren wir von ihm, dass vor ein paar Tagen bereits ein paar Fremde in der Stadt waren, die die Ruinen nach irgendwas durchsucht hatten. So fanden wir Unterschlupf in einem verlassenen Hof etwas außerhalb der Ruinenstadt. Die Nacht war ruhig und ich konnte recht gut schlafen.
Am Morgen wurden wir jedoch von Leias Schreien geweckt. Als wir bei ihr waren, erzählte sie uns, dass sie von einem dämonischen Wesen geträumt hatte, welches auf ihrer Brust saß. Dabei hörte sie das Schlagen großer Schwingen. Als Shaja dies hörte, wurde sie bleich und auch mir war klar, dass es sich nicht um einen bloßen Albtraum gehandelt haben konnte. Shaja versprach von nun an, über Leia zu wachen. 

Die Fechtschule von Ysilia
Trotz dieses Schocks begleitete Leia uns kurze Zeit später in die Stadt. Wir mussten dringend herausfinden, wo sich die örtliche Fechtschule befunden hat. Dafür suchten wir nach Yona vom See, der ehemaligen Fechtlehrerin. Was wir fanden, war eine gebrochene Frau, die in ihrem Trinkverhalten dem alten Peddar in nichts nachstand. Eigentlich wollte sie gar nicht über über die Fechtschule reden, doch mit etwas Fusel konnten wir ihre Zunge lösen. Auf Nachfrage erzählte sie uns widerwillig, dass auch Erm Sen Lehrer an der Fechtschule war. Und wahrscheinlich hatte er wie alle Fechtlehrer vor ihm der Fechtschule sein Schwert hinterlassen. Der Raum, in dem die Schwerter lagerten, wurde vor dem Angriff auf die Stadt eingemauert, die Schwerter waren also womöglich noch da. Das war nun endlich mal eine gute Nachricht. Nach einem weiteren Schluck aus meinem Trinkbeutel führte uns die ehemalige Fechtlehrerin zum alten Schulgelände. Dort sahen wir uns etwas um und entdeckten eine Tafel, auf der alle Fechtlehrer eingetragen waren. Jedoch war ein Teil mit einem Desintegratuszauber entnommen worden. Die fehlenden Namen kann uns Yona nennen.
Der zugemauerte Keller soll sich unter den Trümmern des Blutturms befinden. Zwar verfüge ich über die Stärke eines Kriegers der Angroschim, um dort aufzuräumen brauchten wir aber auch die Kraft unserer anderen Reisegefährten, allen voran Raluf. So kehrten wir zum Gehöft zurück, um sie zu holen. 
Dort entdeckte einer unserer Gefährten beinahe zufällig eine Steintafel mit einer grob geschnitzten Inschrift.

Unter Steinen ruht der TotenStaub
Jungen Kriegern soll er Mahnung sein
So Eilet weiter müde Wandersleut'
Schlafes Bruder wacht bei diesem Stein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Text klang äußerst bedrohlich, passte er doch sehr gut zu Leias Traum der vergangenen Nacht. Denn mit Schlafes Bruder ist sicher der Tod gemeint. Raluf bewegte den Stein zur Seite und fand darunter eine Lederrolle, einen verrosteten Säbel, das Bruchstück eines Bogens, Pfeilspitzen, angelaufene Silberreifen und roten Sand.
Valen und Ragnar warfen einen Blick auf die Schriftrolle. Dort stand:

»Mögen die sterblichen Überreste des verschleierten Weibes hier
Ruhe finden, doch fürchte ich, dass ihr Schatten mir weiter folgen
wird. Ich weiß, ich habe Schuld auf mich geladen. Wie ein Fluch
lastet der Ritt nach Punin auf mir. Wann werden die Forderungen
nach Rache und Tod endlich enden? Wie viele der verschleierten
Novadis werden noch kommen, um den Mann zu töten, der einst
so großes Leid unter ihr Volk brachte? Ich bin müde. Ich bin müde
des Kämpfens, müde des Tötens. Möge sich mein Schicksal in
der Einsamkeit erfüllen, dort, wo das geflügelte Grauen auf einem
Bett von Gold ruht und kein Novadi meinen Weg kreuzt.«

 

Ob wir auch die folgende Nacht auf dem Hof verbringen, ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass wir uns so bald wie möglich aufmachen, um den Keller unter der Fechtschule aufzubrechen. Und vorher besorge ich mir irgendwo Pfeifenkraut!

Comments

Spielleiter Spielleiter

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.